Zwei starke Deutsche, nur ein Sieger

2/21/2013 10:40:00 PM
Martin Kaymer   (Getty Images)
Martin Kaymer (Getty Images)
Ein wenig hatte die Szenerie etwas Surreales. Eben war noch alles grün, dann fegte ein Schneesturm über die Wüste mit ihren grünen Flecken. Alles war weiß - der Golfplatz in Arizona und die Scorekarten fast aller Beteilgten, die bei diesen Bedingungen selbstredend nicht in die Duelle Mann gegen Mann geschickt werden konnten. Es wurde Nacht, es wurde Tag, es blieb weiß. Die Startzeiten für den zweiten Tag musste mehrfach verschoben werden. Und dann, plötzlich, war alles wieder grün.

Wer sich knapp 30 Stunden nicht in Dove Mountain aufgehalten hatte, konnte erstaunt fragen: War was? Ja, es war was. Und es sollte nun endlich auch sportlich etwas geboten werden. Und ja, es gab nun auch Golf zu sehen. Sehr gutes Golf. Auch aus deutscher Sicht.

Martin Kaymer gelang zum Auftakt im Duell mit George Coetzee nach einem sehr zufriedenstellenden Auftritt ein solider 2&1-Erfolg. Eine Umarmung auf dem 17. Grün mit Caddie Craig Connelly beschloss einen Tag, an dem der Deutsche sehr gutes Golf zeigte und in einem spannenden Match in die Runde der letzten 32 zog. "Ich habe gut gespielt. Ich war irgendwie nervös heute", sagte Kaymer, der selbst nicht genau wusste, warum. Eine mögliche Erklärung schob er jedoch nach: "Das erste Match ist immer das Schwierigste." Vor zwei Jahren hatte er sich erst im Finale Luke Donald geschlagen geben müssen und sich gleichzeitig an die Spitze der Weltrangliste gesetzt.

Kaymer hatte den Rückstand von einem Loch nach vier Bahnen vom Mittwoch schnell wieder aufgeholt. An der 7 lochte er nach schöner Annäherung zum Birdie - der Ausgleich. An der 8 ließ er die gute Chance zur Führung noch liegen, an der 11 machte er es besser und ging in Führung. Der 28-Jährige spielte sehr sicheres Golf, erarbeitete sich jede Menge Birdie-Möglichkeiten und lochte an der 13 nach einem sehr starken zweiten Schlag am Par 5 sogar zum Eagle. Plötzlich war der Sieg nicht mehr weit, doch eine schlechte Annäherung an der 14 brachte ihn um den gerade gewonnenen Punkt. An der 15 legte Coetzee einen nicht sehr schwierigen Putt daneben und vergab die Chance auf den Ausgleich.

Zwei Bahnen später dann die Entscheidung. An der 17 nagelte Kaymer seine Annäherung wenige Zentimeter neben die Fahne. Coetzee konnte nicht antworten. Das Match war entschieden. Nun geht es für Kaymer, der auf den 17 Bahnen drei unter Par geblieben war, gegen Rafael Cabrera-Bello, der Lee Westwood am 19. Loch bezwingen konnte. "Ich habe zwei Wochen keine Turniere gespielt, viel trainiert", erklärte Kaymer: "Ich erwarte mir hier sehr viel."

Beeindruckender Auftritt von Siem
Siem bot dem großen Favoriten Luke Donald einen großen Kampf. Nachdem der Neuling das erste Loch für sich entschieden hatte, lag er zur Hälfte der Runde plötzlich zwei Bahnen hinten. Doch Siem kämpfte sich zurück. Er lochte an der 10 und 12 zum Birde, holte an der 11 mit einem Par den Punkt und lag plötzlich 1 auf. Auch wenn er die Führung gleich wieder abgeben musste - so blieb er doch dran an Donald, der in diesem hochklassigen Duell den von vielen erwarteten Sieg nicht frühzeitig sicherstellen konnte.

Im Gegenteil: An der 17 lochte Siem zum nächsten Birdie - doch Donald antwortete ebenfalls mit einer 3 auf dem Par 4. Ein weiterer Ausweis des hohen Niveaus eines Matches, dessen Duellanten in den meisten anderen Partien als Sieger vom Platz gegangen wären. Doch es konnte es nur einen geben. Siems nächster Birdie-Putt aus drei Metern lief einen Zentimeter am Loch vorbei - Donald lochte hingegen erneut zum Birdie und gewann.

Siem konnte es nicht wirklich fassen: "Oh Mann! Der Typ locht ja alles", schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Golf.de berichtete er nach der Runde: "Ich bin schon enttäuscht, Donald ist echt 'ne harte Nuss. Der macht einfach keinen Putt daneben." Mit den Distanzen sei er nicht so gut zurecht gekommen wie sonst, "normalerweise ist das meine Stärke". Als Fazit bleibt nach einer Runde von drei unter Par, einer der besten des Tages: "Ich hätte mehr Birdies machen müssen." 

Dennoch kann er zufrieden sein. Positiv sei, dass er unter sehr hohem Druck, bis auf Loch 14, sehr gut mit dem kurzen Putter gearbeitet habe. "Gegen Donald hätte ich mein A-Game gebraucht heute. Das war es leider nicht ganz", bilanziert Siem, der aber auch schon nach vorne schauen kann: "Jetzt wird gepackt und morgen geht's nach Florida."

Noch ist die Niedergeschlagenheit zu spüren, erst recht, da er so knapp an der Überraschung vorbeigeschlittert war. "Das gibt's nichts zu reparieren morgen." Doch nach ein paar Stunden Schlaf wird Siem realisieren, dass sein Gegner eben einer der Schwersten war. Kann er aber das Spiel dieser Runde mit in die kommenden Wochen nehmen, wird er bald selbst wieder glücklich vom Kurs kommen.